Kunststoffe sind in der Praxis selten „pur“. Ihre Eigenschaften werden gezielt angepasst, um spezifische Anforderungen zu erfüllen. Genau hier kommen Kunststoff-Compounds ins Spiel. Wenn Sie Kunststoffteile entwickeln oder beschaffen, beeinflussen Compounds maßgeblich Funktion, Kosten und Qualität. Sie entscheiden darüber, ob ein Bauteil robust, UV-beständig oder elektrisch leitfähig ist. Mehr dazu im Beitrag.

Simon Andreß
Aktualisiert am 26. Mai 2026

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Kunststoff Compounds sind Kunststoffe, deren Eigenschaften durch Zusatzstoffe gezielt angepasst werden. Dafür wird ein Basispolymer wie (z.B. ABS, PS, PC, etc…) mit Additiven, Füllstoffen oder Fasern kombiniert. Dieser Prozess heißt Compoundierung. Ziel ist es, vorhandene Materialeigenschaften zu verbessern oder neue Funktionen zu schaffen.
Faserverstärkte Compounds wie GMT oder LFT kommen vor allem in der Organoblechtechnik zum Einsatz. Dieser Beitrag konzentriert sich auf Compounds für das klassische Kunststoff Tiefziehen. Im Mittelpunkt stehen funktionale Additive, die Standardkunststoffe leistungsfähiger machen
| Standardkunststoff | Kunststoff-Compound |
|---|---|
| besteht aus reinem Polymer | enthält Additive oder Füllstoffe |
| begrenzte Eigenschaften | gezielt anpassbare Eigenschaften |
| günstiger | teurer, aber leistungsfähiger |
| universell einsetzbar | anwendungsspezifisch optimiert |
Viele gängige Thermoplaste lassen sich zu Compounds weiterentwickeln:
| Material | Anwendung |
|---|---|
| ABS / ASA | robuste Anwendungen |
| HD-PE / PP | kosteneffiziente Lösungen |
| PC / PMMA | hohe Transparenz und Festigkeit |
| PET-A / PET-G | ideal für Verpackungen |
| PS / PVC | vielseitig in technischen und industriellen Anwendungen einsetzbar |
Kunststoff-Additive werden eingesetzt, um die Eigenschaften von Kunststoffen gezielt zu verbessern. Typische Anpassungen sind:
Demnach werden Kunststoff-Additive verwendet, um mechanische, thermische und chemische Eigenschaften gezielt zu beeinflussen. Ohne sie wären auch viele technische Anwendungen gar nicht realisierbar.

Der Begriff „Compoundieren“ beschreibt den industriellen Prozess der Materialaufbereitung. Bei der Compoundierung werden Polymere und Zusatzstoffe in mehreren Schritten verarbeitet.
Dabei wird genau festgelegt, welche Bestandteile in welcher Menge benötigt werden:
Das Basismaterial wird in einer Maschine, meist einem Extruder (siehe Kunststoff-Extrusion), erhitzt, bis es schmilzt. Man kann sich das wie das Schmelzen von Kunststoffgranulat zu einer zähflüssigen Masse vorstellen. In diesem Zustand lässt sich das Material optimal weiterverarbeiten.
Nun werden die Zusatzstoffe in die Kunststoffschmelze eingearbeitet. Dabei ist entscheidend, dass:
Dieser Schritt bestimmt die spätere Qualität des Kunststoff-Compounds.
Während des Prozesses können unerwünschte Bestandteile entstehen, z.B.:
Diese werden gezielt entfernt, um die Materialqualität zu sichern.
Die fertige Kunststoffmischung wird anschließend aus der Maschine gepresst und abgekühlt. Danach wird sie in kleine, gleichmäßige Granulatkörner geschnitten. Dieses Granulat ist das eigentliche „Compound“, das später weiterverarbeitet wird.
Kunststoff-Compounds lassen sich nach Art der Zusatzstoffe unterscheiden.

Additivbasierte Compounds dienen vor allem der funktionalen Anpassung. Hier werden dem Kunststoff Stoffe beigemischt, die gezielt bestimmte Effekte erzeugen. Antistatika reduzieren beispielsweise elektrostatische Aufladung und sorgen für ESD-Schutz, während Flammschutzmittel das Brandverhalten verbessern.
Stabilisatoren schützen den Kunststoff vor UV-Strahlung oder thermischer Alterung und Gleitmittel sorgen für eine bessere Verarbeitung und geringere Reibung.
Füllstoffbasierte Compounds zielen in erster Linie auf die mechanische Optimierung ab. Mineralische Füllstoffe wie Calciumcarbonat oder Talkum erhöhen die Steifigkeit und verbessern die Dimensionsstabilität. Gleichzeitig können sie Kosten senken, da sie das teurere Basispolymer teilweise ersetzen. Ruß wird zusätzlich eingesetzt, um die UV-Beständigkeit zu erhöhen und die Lebensdauer von Bauteilen im Außeneinsatz zu verlängern.
Kunststoff-Compounds sind dann sinnvoll, wenn Standardmaterialien nicht ausreichen. Typische Einsatzfälle sind hier beispielsweise:

Die Kunststoff-Compoundierung ermöglicht den Einsatz von Rezyklaten und verbessern deren Eigenschaften für anspruchsvollere Anwendungen. Sie reduzieren den Materialeinsatz durch leichtere Bauteile und verlängern die Lebensdauer.
Gleichzeitig können schwankende Materialqualitäten und komplexe Mischungen das Recycling erschweren. Auch höhere Entwicklungs- und Materialkosten sind möglich, weshalb eine gezielte und anwendungsorientierte Materialauswahl entscheidend ist.
Kunststoff-Compounds werden überall dort eingesetzt, wo Standardmaterialien nicht ausreichen.


| Vorteile von Kunststoff-Compounds | Nachteile von Kunststoff-Compounds |
|---|---|
| gezielte Eigenschaftsanpassung | höhere Materialkosten |
| höhere Performance als Standardkunststoffe | komplexere Verarbeitung |
| breite Einsatzmöglichkeiten | längere Entwicklungszeit |
| Kombination mehrerer Funktionen in einem Material |
Kunststoff-Compounds sind Kunststoffe, die durch Zusatzstoffe gezielt verbessert werden, um bestimmte Eigenschaften wie Festigkeit oder UV-Beständigkeit zu erreichen.
Ein Standardkunststoff besteht aus einem reinen Polymer. Ein Compound enthält zusätzlich Additive oder Füllstoffe, die seine Eigenschaften gezielt verändern.
Additive verbessern Eigenschaften wie UV-Beständigkeit, Festigkeit oder Leitfähigkeit. Ohne sie wären viele technische Anwendungen nicht möglich.
Ja, in der Regel ist die Compoundierung von Kunststoffen teurer als der Einsatz von Standardkunststoffen. Dafür bieten Compounds bessere Performance und können langfristig Kosten reduzieren.
Grundsätzlich ja, Kunststoff-Compounds können recycelt werden. Allerdings hängt die Qualität stark von der Zusammensetzung ab. Rezyklate können erneut in Compounds eingesetzt werden, oft in Kombination mit Additiven zur Stabilisierung der Eigenschaften.
Immer dann, wenn Standardmaterialien die Anforderungen nicht erfüllen. Zum Beispiel bei hoher mechanischer Belastung oder speziellen Umweltbedingungen.
Für Kunststoff-Compounds eignen sich viele gängige Thermoplaste. Häufig eingesetzt werden ABS und ASA für robuste Anwendungen, HD-PE und PP für kosteneffiziente Lösungen sowie PC und PMMA für hohe Transparenz und Festigkeit. PET-A und PET-G sind ideal für Verpackungen, während PS und PVC vielseitig in technischen und industriellen Anwendungen genutzt werden. Entscheidend ist die gewünschte Eigenschaft des Bauteils.
Kunststoff-Compounds sind ein wichtiges Element für leistungsfähige Kunststoff Tiefziehteile. Sie ermöglichen es, Materialien exakt an Ihre Anforderungen anzupassen. Ob höhere Festigkeit, bessere UV-Beständigkeit oder spezielle Funktionen. Compounds machen aus Standardkunststoffen echte High Performance Werkstoffe. Fragen Sie jetzt an!