Tiefziehteile in der Praxis

Kunststoff-Compounds einfach erklärt: Wie Additive aus Standardkunststoffen echte High-Performance-Materialien machen

Kunststoffe sind in der Praxis selten „pur“. Ihre Eigenschaften werden gezielt angepasst, um spezifische Anforderungen zu erfüllen. Genau hier kommen Kunststoff-Compounds ins Spiel. Wenn Sie Kunststoffteile entwickeln oder beschaffen, beeinflussen Compounds maßgeblich Funktion, Kosten und Qualität. Sie entscheiden darüber, ob ein Bauteil robust, UV-beständig oder elektrisch leitfähig ist. Mehr dazu im Beitrag.


Autoren-Avatar

Simon Andreß

Aktualisiert am 10. Juni 2026

Compounds Blog Banner
Teilen

Inhalte

Kunststoff-Compounds - Das Wichtigste in Kürze

  • Kunststoff-Compounds sind modifizierte Kunststoffe mit Additiven oder Füllstoffen
  • Sie verbessern gezielt Eigenschaften wie Festigkeit, UV-Beständigkeit oder Leitfähigkeit
  • Compounds ermöglichen maßgeschneiderte Lösungen für unterschiedliche Branchen
  • Sie erhöhen Performance, können aber Kosten und Komplexität steigern

→ Jetzt Tiefziehteil aus Kunststoff-Compounds anfragen


Was sind Kunststoff-Compounds?

Kunststoff Compounds sind Kunststoffe, deren Eigenschaften durch Zusatzstoffe gezielt angepasst werden. Dafür wird ein Basispolymer wie (z.B. ABS, PS, PC, etc…) mit Additiven, Füllstoffen oder Fasern kombiniert. Dieser Prozess heißt Compoundierung. Ziel ist es, vorhandene Materialeigenschaften zu verbessern oder neue Funktionen zu schaffen.

Faserverstärkte Compounds wie GMT oder LFT kommen vor allem in der Organoblechtechnik zum Einsatz. Dieser Beitrag konzentriert sich auf Compounds für das klassische Kunststoff Tiefziehen. Im Mittelpunkt stehen funktionale Additive, die Standardkunststoffe leistungsfähiger machen

Standardkunststoff vs. Compound: Was ist der Unterschied?

StandardkunststoffKunststoff-Compound
besteht aus reinem Polymerenthält Additive oder Füllstoffe
begrenzte Eigenschaftengezielt anpassbare Eigenschaften
günstigerteurer, aber leistungsfähiger
universell einsetzbaranwendungsspezifisch optimiert

💡 Standardkunststoffe sind „Allrounder“, Compounds sind Spezialisten.

Welche Kunststoffe werden typischerweise compoundiert?

Viele gängige Thermoplaste lassen sich zu Compounds weiterentwickeln:

MaterialAnwendung
ABS / ASArobuste Anwendungen
HD-PE / PPkosteneffiziente Lösungen
PC / PMMAhohe Transparenz und Festigkeit
PET-A / PET-Gideal für Verpackungen
PS / PVCvielseitig in technischen und industriellen Anwendungen einsetzbar

💡 Mehr Informationen zu den verschiedenen Kunststoffen finden Sie in unserem Materialguide 1 und Materialguide 2.

Warum werden Kunststoff-Additive eingesetzt?

Kunststoff-Additive werden eingesetzt, um die Eigenschaften von Kunststoffen gezielt zu verbessern. Typische Anpassungen sind:

  • höhere mechanische Festigkeit
  • bessere UV-Beständigkeit
  • reduzierte Reibung
  • elektrische Leitfähigkeit oder Isolation

Demnach werden Kunststoff-Additive verwendet, um mechanische, thermische und chemische Eigenschaften gezielt zu beeinflussen. Ohne sie wären auch viele technische Anwendungen gar nicht realisierbar.

Compounds Blau in Hand

Was ist Compoundieren? Der Herstellungsprozess einfach erklärt

Der Begriff „Compoundieren“ beschreibt den industriellen Prozess der Materialaufbereitung. Bei der Compoundierung werden Polymere und Zusatzstoffe in mehreren Schritten verarbeitet.

  1. Dosieren der Rohstoffe
  2. Aufschmelzen des Kunststoffs
  3. Mischen und Dispergieren der Additive
  4. Entgasen der Schmelze
  5. Granulieren zum fertigen Compound

1. Dosieren der Rohstoffe

Dabei wird genau festgelegt, welche Bestandteile in welcher Menge benötigt werden:

  • Basispolymer (z.B. PP oder ABS)
  • Additive (z.B. UV-Schutz, Flammschutz)
  • Füllstoffe

💡 Wichtig: Schon kleine Abweichungen können die Materialeigenschaften deutlich verändern.

2. Aufschmelzen des Kunststoffs

Das Basismaterial wird in einer Maschine, meist einem Extruder (siehe Kunststoff-Extrusion), erhitzt, bis es schmilzt. Man kann sich das wie das Schmelzen von Kunststoffgranulat zu einer zähflüssigen Masse vorstellen. In diesem Zustand lässt sich das Material optimal weiterverarbeiten.

3. Mischen und Dispergieren der Additive

Nun werden die Zusatzstoffe in die Kunststoffschmelze eingearbeitet. Dabei ist entscheidend, dass:

  • alle Bestandteile gleichmäßig verteilt sind
  • keine Klumpen oder Konzentrationsunterschiede entstehen

Dieser Schritt bestimmt die spätere Qualität des Kunststoff-Compounds.

4. Entgasen

Während des Prozesses können unerwünschte Bestandteile entstehen, z.B.:

  • eingeschlossene Luft
  • Feuchtigkeit
  • flüchtige Stoffe

Diese werden gezielt entfernt, um die Materialqualität zu sichern.

5. Extrusion und Granulierung

Die fertige Kunststoffmischung wird anschließend aus der Maschine gepresst und abgekühlt. Danach wird sie in kleine, gleichmäßige Granulatkörner geschnitten. Dieses Granulat ist das eigentliche „Compound“, das später weiterverarbeitet wird.

Welche Arten von Kunststoff-Compounds gibt es?

Kunststoff-Compounds lassen sich nach Art der Zusatzstoffe unterscheiden.

Additivbasierte Compounds

Abdeckung ESD Schutz
Kunststoffgehäuse mit ESD-Schutz

Additivbasierte Compounds dienen vor allem der funktionalen Anpassung. Hier werden dem Kunststoff Stoffe beigemischt, die gezielt bestimmte Effekte erzeugen. Antistatika reduzieren beispielsweise elektrostatische Aufladung und sorgen für ESD-Schutz, während Flammschutzmittel das Brandverhalten verbessern.

Stabilisatoren schützen den Kunststoff vor UV-Strahlung oder thermischer Alterung und Gleitmittel sorgen für eine bessere Verarbeitung und geringere Reibung.

Füllstoffbasierte Compounds

Füllstoffbasierte Compounds zielen in erster Linie auf die mechanische Optimierung ab. Mineralische Füllstoffe wie Calciumcarbonat oder Talkum erhöhen die Steifigkeit und verbessern die Dimensionsstabilität. Gleichzeitig können sie Kosten senken, da sie das teurere Basispolymer teilweise ersetzen. Ruß wird zusätzlich eingesetzt, um die UV-Beständigkeit zu erhöhen und die Lebensdauer von Bauteilen im Außeneinsatz zu verlängern.

Wann lohnt sich der Einsatz von Kunststoff-Compounds?

Kunststoff-Compounds sind dann sinnvoll, wenn Standardmaterialien nicht ausreichen. Typische Einsatzfälle sind hier beispielsweise:

  • hohe mechanische Belastung
  • UV- oder Witterungseinflüsse
  • elektrische Anforderungen (ESD, Isolation)
  • Temperaturbeständigkeit
  • lange Lebensdauer erforderlich

💡 Faustregel: Je spezifischer die Anforderungen, desto eher lohnt sich ein Compound.

Nachhaltigkeit von Kunststoff-Compounds

abdeckung rezyklat

Die Kunststoff-Compoundierung ermöglicht den Einsatz von Rezyklaten und verbessern deren Eigenschaften für anspruchsvollere Anwendungen. Sie reduzieren den Materialeinsatz durch leichtere Bauteile und verlängern die Lebensdauer.

Gleichzeitig können schwankende Materialqualitäten und komplexe Mischungen das Recycling erschweren. Auch höhere Entwicklungs- und Materialkosten sind möglich, weshalb eine gezielte und anwendungsorientierte Materialauswahl entscheidend ist.

Anwendungsbeispiele von Kunststoff-Compounds in der Praxis

Kunststoff-Compounds werden überall dort eingesetzt, wo Standardmaterialien nicht ausreichen.

Automobilindustrie

  • Innenverkleidungen mit hoher Schlagzähigkeit
  • Gehäuse und Abdeckungen im Motorraum mit Temperaturbeständigkeit
  • Batteriegehäuse für E-Mobilität
  • Luftführungsteile und technische Halterungen
  • UV-beständige Außenbauteile

Medizintechnik

Medizintechnik Gehaeuse weiss
Beispiel eines Medizintechnik Gehäuses

Elektronik

  • flammgeschützte Gehäuse
  • isolierende Bauteile für elektrische Systeme
  • ESD-Trays
  • Schutzgehäuse für Sensorik und Steuerungen
Automatisierungstray ESD
Beispiel eines ESD-Trays

Bauindustrie

  • wetterbeständige Fassadenelemente
  • Abdeckungen und Schutzgehäuse im Außenbereich
  • Dämmkomponenten mit isolierenden Eigenschaften
  • Kabelkanäle und technische Installationssysteme

Vorteile und Nachteile von Kunststoff-Compounds

Vorteile von Kunststoff-CompoundsNachteile von Kunststoff-Compounds
gezielte Eigenschaftsanpassunghöhere Materialkosten
höhere Performance als Standardkunststoffekomplexere Verarbeitung
breite Einsatzmöglichkeitenlängere Entwicklungszeit
Kombination mehrerer Funktionen in einem Material 

Benötigen Sie für Ihr Projekt Kunststoff-Compounds? Jetzt anfragen!

Kunststoff-Compounds sind ein wichtiges Element für leistungsfähige Kunststoff Tiefziehteile. Sie ermöglichen es, Materialien exakt an Ihre Anforderungen anzupassen. Ob höhere Festigkeit, bessere UV-Beständigkeit oder spezielle Funktionen. Compounds machen aus Standardkunststoffen echte High Performance Werkstoffe. Fragen Sie jetzt an!

FAQ - Häufige Fragen zu Kunststoff-Compounds

Was sind Kunststoff-Compounds einfach erklärt?

Kunststoff-Compounds sind Kunststoffe, die durch Zusatzstoffe gezielt verbessert werden, um bestimmte Eigenschaften wie Festigkeit oder UV-Beständigkeit zu erreichen.

Was ist der Unterschied zwischen Kunststoff und Compound?
Warum werden Additive eingesetzt?
Ist die Compoundierung von Kunststoffen teurer?
Kann man Compounds recyceln?
Wann lohnt sich der Einsatz von Compounds?
Welche Kunststoffe eignen sich für Compounds?

Mehr zum Thema Kunststoffe

CAD-Modelle auf Tiefziehbarkeit prüfen
Tiefziehteile in der Praxis

CAD-Modelle auf Tiefziehbarkeit prüfen: Der Leitfaden für Konstrukteure

Ob ein Kunststoffteil tiefziehbar ist, entscheidet sich im CAD-Modell. Wer Geometrie, Wandstärken und Entformbarkeit erst nach der ersten Bemusterung diskutiert, zahlt diese Schleife mit Werkzeugänderungen, Materialausschuss und verlorenen Wochen im Projektplan. Konstruktionsbegleitend lässt sich das vermeiden: mit einem strukturierten Check, der jedes Modell entlang dieses Leitfadens prüft und dabei die typischen Fehlerquellen früh sichtbar macht.
Rapid Prototyping_Blog Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Rapid Prototyping im Tiefziehen - Definition, Vorteile & Verfahren

Rapid Prototyping wird in der Produktentwicklung für die schnelle Vorab-Erstellung von Mustern verwendet. Insbesondere im Tiefziehen bietet Rapid Prototyping eine Fülle von Möglichkeiten, um schnell und kosteneffizient hochwertige Prototypen zu erstellen.
Formnester von Trays bestimmen
Tiefziehteile in der Praxis

Formnester Ihres Werkstückträgers bestimmen: Anforderungen & Herausforderungen

Formnester oder auch Kavitäten können vielfältig sein: rechteckig, rund, formangepasst, Bahnen, Rippen oder Dome. Wie entscheidet sich also, welches Formnest das richtige ist? Mehr dazu im Beitrag.
Stapeltechniken zur Vermeidung von Transportschäden Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Welche Stapelmethoden gibt es bei Trays? 4 Stapelmethoden zur effizienten Palettierung

Dieser Beitrag zeigt Ihnen, welche Stapelmethoden für welche Anwendungen eingesetzt werden, wo typische Fehlerquellen liegen und welche Stapelung Ihnen den größten Mehrwert bringt.
Einsatzbereiche von Kunststoff Tiefziehteilen
Tiefziehteile in der Praxis

Thermoformteile in der Industrie: Anwendungen, Branchen und Beispiele

Thermoformteile sind in nahezu jeder Branche von Industrie und Maschinenbau über Medizin bis hin zu Lebensmitteln von entscheidender Bedeutung. In diesem Beitrag werfen wir einen genaueren Blick auf die Möglichkeiten, die Kunststoff-Thermoformteile in verschiedenen Industriezweigen bieten.
Oberfächenveredelung von medizinischen Gehäusen Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Oberflächenveredelung in der Medizintechnik: Funktion trifft Design

Die Veredelung von Oberflächen medizinischer Gehäuse muss höchste Anforderungen an Funktionalität, Hygiene und Design erfüllen. Wie formary mit dem Tiefziehverfahren und unter Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen gleichzeitig optisch ansprechende und funktionale Medizingehäuse herstellt, erfahren Sie im Beitrag.
3D Tray Generator Blogbanner
Neuigkeiten

Jetzt live: Tray-Design direkt aus CAD-Daten im Browser erstellen

Die Planung von Kunststofftrays für Transport, Lagerung oder automatisierte Fertigungsprozesse beginnt häufig mit dieser Frage: Wie sieht ein passendes Tray für das Bauteil überhaupt aus? Genau diese Frage beantwortet der neue webbasierte 3D Tray Generator in Sekundenschnelle. Mehr dazu im Beitrag.
Design for Manufacturing Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Design for Manufacturing (DfM): Leitfaden für fertigungsgerechtes Design

Mit der neuen Design for Manufacturing Analyse von formary gibt es jetzt die Möglichkeit, CAD-Daten in Sekundenschnelle auf Tiefziehbarkeit zu prüfen - und so potenzielle Fehlerquellen früh zu erkennen, bevor sie teuer werden. Welche Funktionen die DfM-Software bietet und was das Design for Manufacturing Prinzip beinhaltet, erfahren Sie im Beitrag.
Kunststoff Tiefziehteile konstruieren_Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Kunststoffteile konstruieren: 13 Designregeln für kunststoffgerechte Konstruktion im Thermoforming

Beim Konstruieren von Kunststoff Tiefziehteilen müssen bestimmte Designregeln beachtet werden, um Materialfehler, Verzug oder unnötige Kosten zu vermeiden. Faktoren wie Radien, Wandschrägen oder das Umformverhältnis haben direkten Einfluss auf die Bauteilqualität und Herstellbarkeit. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die wichtigsten Konstruktionsregeln im Thermoforming. Praxisnah, verständlich und direkt umsetzbar.

Tiefziehteile einfach gemacht. Mit formary.

Erhalten Sie noch heute Ihr unverbindliches Angebot.